Fotogramme: Technik, Geschichte


Fotogramme sind fotografische Bilder, die ohne Kamera hergestellt werden.


In der Dunkelkammer liegen die Gegenstände direkt auf dem Fotopapier. Hier werden sie von Hand zum späteren Bild arrangiert. Mit der Belichtung bilden sich die Gegenstände als Schatten ihrer selbst ab: als unbelichtete Stelle auf dem ringsum belichteten Fotopapier.
In ihrer natürlichen Größe und immer als Unikat!

Außer dem automatischen Festhalten des reflektierten Lichts haben Fotografie und Fotogramm nichts gemein.

Anders als in der herkömmlichen Fotografie, die das reflektierte Licht der Gegenstände in der Linse bündelt und somit hochkonzentriert und in Sekundenbruchteilen als Bild auf das Negativ schickt, geschieht die Belichtung im Fotogramm manuell. Die Belichtungszeit ist relativ lang und kann mehrmals unterbrochen werden. Unterschiedlich farbgefiltertes Licht kann aus mehreren Richtungen kommen, die Lage der Gegenstände unterdessen immer wieder verändert werden.
Plastische, dreidimensionale Gegenstände werfen je nach Beleuchtungsart, Lichtrichtung und Anzahl der Lichtquellen Schatten, die in ihren Durchdringungen, Überlagerungen und Verläufen fein abgestufte Farbwerte ergeben. Wenn die Objekte selbst lichtdurchlässig sind, bildet sich bei entsprechender Belichtungszeit ihre innere Materialstruktur ab. Wenn sie lichtundurchlässig sind, erscheint die Auflagefläche als eine Art hart begrenzter Kernschatten.
William Henry Fox Talbot leitete 1835 mit dem Fotogramm die Geschichte der Fotografie ein. Lange bevor Objektiv und Negativ die Fotografie beschleunigten und Bilder unendlich reproduzierbar wurden, legte er flache Objekte wie Pflanzen, Federn und Spitzendeckchen auf sensibilisiertes Papier, belichtete es in der Sonne und erhielt deutliche, feingezeichnete weiße Abbildungen auf dunklem Grund.

Der Surrealismus sah in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts im Fotogramm die Möglichkeit einer automatischen Kunst ohne Künstler: Nach dem Prinzip des automatischen Schreibens (André Breton) zeigte sich vor allem in den Arbeiten von Man Ray "der Gegenstand in absoluter Abwesenheit jeder künstlerischen Absicht, ja sogar ohne sich selbst - als Schatten ohne Objekt, reinste Kunst."

Jean Cocteau schreibt ihm begeistert (1922): "Ihre Tafeln sind die Gegenstände selbst (...), direkt von ihrer Dichterhand zwischen Licht und lichtempfindliches Papier gestellt."

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